Ich habe mich Zeit meines Büro-Alltagslebens gefragt, warum sich alle Großraumbüros mehr oder weniger gleichen: die Wände sind in der Regel weiß und mit einer leichten Raufasertapete beschichtet, der Boden ist mit einem billigen, äußerst kratzigen und meist anthrazitgrauen Teppich ausgelegt und an den Wänden hängen entweder geschmacklose Kunstdrucke oder firmeneigene Werbungen und Vollversammlungsfotos. Meistens sind die Bilder in den Rahmen schon vor Jahren verrutscht, aber niemand macht sich die Mühe, diese störende Schieflage überhaupt noch zu korrigieren. Es guckt eh keiner hin, schon lange nicht mehr. Dazu stehen an völlig absurden Stellen ein paar Kunstpflanzen, die auch schon lange keiner mehr abgestaubt hat und die irgendwie traurig und verloren wirken. Vielleicht steht auch ein halbnackter Fikus benjaminus herum, um den sich eine Büromaus kümmert. Vielleicht.

Auch die Einrichtung solcher Büros gleicht sich oft wie ein Ei dem anderen. Weiße, üppige Schreibtische, die irgendwo ein Hersteller produziert und anscheinend millionenfach in die ganze Welt verhökert hat. Da muss sich einer eine goldene Nase verdient haben, die Dinger sind omnipräsenter als seinerzeit der VW-Golf oder heutzutage das I-Phone. Auf den Schreibtischen stehen am Rand einige Fächer zur Aktenablage, ein Stiftehalter, ein Block mit selbstklebenden, gelben Post-It-Zetteln und eventuell noch ein privates Foto eines geliebten Menschen, eines treuen Haustieres oder von dem Strand, an welchem man im letzten Urlaub war. Egal, was auf dem Foto ist, der Schreibtischhalter schaut mehrmals am Tag sehnsüchtig darauf und verliert sich in schönen Gedanken, bevor er wieder in die Tristesse des Büroalltags abtaucht und den Blick auf dem Bildschirm des Computers, der in der Mitte des Tisches thront, erstarren lässt. Dazu noch das Neonlicht, das auch die gesündeste und angebräunteste Haut noch fahl und kränklich wirken lässt und das über die Jahre für massivste Depressionen sorgt.

So sehen alle Großraumbüros aus. Aber warum denn nur? Das frage ich mich tagtäglich, jedes Mal, wenn ich die Tür aufmache und hineingehe. Warum gestaltet der Arbeitgeber den Arbeitsplatz, an welchem seine Angestellten ein gutes Viertel ihres Lebens verbringen müssen, nicht ein wenig liebevoller, etwas heimeliger, ein wenig menschenfreundlicher? Warum? Deshalb hier der Appell an alle, die ein Großraumbüro einzurichten haben: gebt Euch doch um Gottes Willen etwas mehr Mühe damit, wir leben schließlich darin! Vielen Dank